
Presse/Texte
Ausschnitt aus der Einführungsrede zur Ausstellung Ute Bernhard IKKP Rehau 16. März 2007 von Dr. Nortrud Gomringer
Ute Bernhard, die Künstlerin, der wir die heutige Ausstellung verdanken, verfolgt einen anderen künstlerischen Ansatz zum Umgang mit Echtzeit mit der Implikation der festgehaltenen eigenen Lebenszeit. Und nachdem das ihr Thema und Interessengebiet ist, verdient natürlich auch der Lebenslauf von Ute Bernhard einen besonderen Platz, weshalb ich ihn hier einfüge:Die Künstlerin wurde 1966 in Bayreuth geboren und absolvierte ihr Studium der Malerei und Kunsterziehung an der Kunstakademie Karlsruhe. Nach einem einjährigen Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe ist sie seit 1993 als freischaffende Künstlerin tätig. Ute Bernhard lebt und arbeitet in Koblenz. Sie hatte Einzelausstellungen in Tübingen, Freiburg, Selb, Münchberg und Saint Etienne und war an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt.
Ute Bernhard macht den Fortgang der Zeit mit Hilfe von sprachlichen Zeichen sichtbar. Dahinter steht die tiefe Erkenntnis, dass nicht die Jahre vergehen, sondern wir. Es geht ihr um eine individuelle Seins-Vergewisserung im Lauf der Zeit. Wie macht die Künstlerin das? In der Ausstellung erkennen wir mehrere Werktypen. Auf dem einen sind weiß beschriftete dunkle Bildtafeln oder auch helle, schwarz beschriftete Hintergründe aus Holz oder Baumwolle zu mehrteiligen - von vier- bis 41teilig - Kunstwerken geordnet, auf einem anderen Typus ist die Schrift jeweils durch das zentrierte Piktogramm einer weiblichen Figur in unterschiedlichen Sitz- oder Stehpositionen ergänzt. Hier gibt die Schrift der Figur sozusagen einen Halt. Von der anderen Warte aus gesehen, bildet die Schrift einen feinen Reifrock für die Figur.
Die Schrift, die Ute Bernhard verwendet, ist Schönschrift. Nicht ihre individuelle Handschrift kommt zum Einsatz, sondern eine "Kunstschrift" bzw. eine besondere Ausprägung von Schrift, die mehr Zeit und Anstrengung erfordert und von der Person der Künstlerin ablenkt, indem sie sich einer graphologischen Interpretation weitgehend verweigert und in der vorgeführten Menge, einer gewissen Monotonie und Regelmäßigkeit eher den Meditationsübungen zuzuordnen ist. Auch fehlen in Ute Bernhards Texten meist die Verben, die im Deutschen ja u.a. Tätigkeitswörter heißen. Das verweist ebenfalls auf eine meditative Dimension. Zahlen kommen lediglich als Datumsangaben vor, die doch besonders markant Ereignisse fixieren.
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